RSS-Feed

Archiv der Kategorie: ohne Kochen

Selleriebekanntschaft

Veröffentlicht am

Heute morgen traf ich in der Bahn zur Arbeit meine Selleriebekanntschaft wieder.

Wie? Ihr wisst nicht, was eine Selleriebekanntschaft ist? Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte.

Es begab sich also zu der Zeit, dass es Samstagnachmittag war und die Frau K. nach der Arbeit und einem kurzen Aufenthalt in dem Wollladen ihres Vertrauens auf dem Weg nach Hause noch einen Abstecher in den Supermarkt machte. Die Frau K. wollte am Wochenende nämlich Lasagne kochen. Im Supermarkt sortierte sie erstmal im Kopf die Einkaufsliste: Rinderhack, Tomaten, Möhren, Staudensellerie, Milch, Käse. Und als sie dann in der Gemüseabteilung zwei schöne Möhren raussuchte, nahm sie im Augenwinkel wahr, dass ihr grad der letzte Staudensellerie vor der Nase weggeschnappt wurde. So ein Ärger aber auch. Aber die Frau K. wollte jetzt auch nicht wieder den Menüplan umschmeißen. Gab es halt Lasagne ohne Staudensellerie.

Und so wanderte sie weiter durch den Supermarkt zur Fleischtheke. Vor dem Hackfleisch traf sie ihn dann wieder: den Sellerie-vor-der-Nase-Wegschnapper. Soll sie, oder soll sie nicht, dachte sie. Ach egal. „Entschuldigen Sie, das klingt jetzt vielleicht etwas verrückt, aber ich glaube, wir kochen das gleiche“ Leicht verwirrter Blick auf der anderen Seite. „Lasagne?“, sagte da die Frau K. „Ja, stimmt“, sagte das Gegenüber. „Die Sache ist nämlich die“, setzte die Frau K. wieder an „sie haben mir sozusagen den letzten Staudensellerie vor der Nase weggeschnappt, als ich an den Möhren stand. Und als ich Sie hier am Hackfleisch wiedertraf dachte ich, dass man für Lasagne ja nur so ein, zwei Stangen Sellerie braucht. Können wir vielleicht teilen?“ Gut, das Gegenüber war etwas perplex, sagte dann aber: „Stimmt, Möhren brauch ich ja auch noch. Klar können wir teilen“ Es war also abgemacht. Man verabredete sich hinter der Kasse zu treffen um die Übergabe zu machen. Aber da man ja das gleiche kochte, also auch die gleichen Zutaten brauchte, lief man sich sowieso die ganze Zeit im Supermarkt über den Weg. Die Frau K. war dann aber doch etwas eher fertig und wartete hinter der Kasse. Von der Selleriebekanntschaft bekam sie dann drei Stangen Sellerie und konnte so ihre Lasagne kochen. Und ab und zu sieht man sich morgens in der Straßenbahn, lächelt sich zu, wechselt ein paar Worte, wünscht sich einen schönen Tag und freut sich über die netten Menschen, die es gibt.

Advertisements

Kulinarische Abenteuer in Osteuropa

Veröffentlicht am

Ich war letztens in Russland. Genauer gesagt, in Moskau auf dem ICYB (International Congress of Young Booksellers) Der ist, wie der Name schon sagt, ein Internationaler Kongress für junge Buchhändler. Buchhändler bin ich, jung auch so einigermaßen, also packte ich meinen Koffer und flog 3 Stunden nach Osten.

Nun ist man als Kölnerin erstmal mittelmäßig überwältigt von dieser Riesenstadt. Köln sieht sich ja gerne als Millionenstadt. (Wir sind einwohnertechnisch geradesoeben drüber.) Moskau hingegen steht auf einem ganz anderen Blatt. Offiziell hat die Stadt 11 Millionen Einwohner, inoffiziell sind es wohl eher 20, wie mir verschiedene Moskauer versicherten. Das bringt 10-spurige Straßen (aus denen bei Bedarf auch mal 14 Spuren gemacht werden) und Vorstädte mit der Einwohnerzahl meiner Heimatstadt mit sich. Hier kann die Fahrt vom Flughafen schonmal drei Stunden dauern. Macht aber eigentlich nichts, wenn man genug Zeit hat. Schließlich gibt es links und rechts der Straße genug russische Klischees zu bestaunen (moderne Plattenbauten sind nicht zwangsläufig hübscher als die Alten), und die erste Gelegenheit das eigene Kyrillisch aufzufrischen. der Tiefpunkt

Jetzt hat mich neben dem Austausch und dem Kongressprogramm vor allem das russische Essen interessiert. Immerhin bin ich Kochbuchhändlerin. Und esse gern. Ich war also seeeehhhhr gespannt.

Als Vorspeise am ersten Abend gab es „Russisches Ei“ in der Interpretation. Soll heißen: 2 Hälften knüppelhart gekochtes Ei garniert mit einem Klacks Majonnaise und Dosenerbsen. Zum Hauptgericht gab es riesige Reiskörner, die man mit der Gabel zu einer Art Mus zerdrücken konnte mit paniertem, gebratenem Schnitzel. Huhn, definitiv Huhn.

Das Frühstück am nächsten morgen hielt eine Art Omlette mit einer fragwürdigen Konsistenz, Nudeln, Würstchenstücke, Kasha milk (eine Art Porridge in Nicht-Lecker), etwas rosafarbenes Marmeladenartiges (das aber nur pappsüß schmeckte) und angetrocknetes Brot bereit. Alles für einen guten Start in den Tag.

Gegen Mittag hing mir der Magen schon fast in den Kniekehlen. Gespannt eilte ich in Richtung Speisesaal und bekam: Zwei knüppelharte Eihälften in Brühe mit Dosenerbsen und zerkochte Nudeln mit paniertem Schnitzel. Schwein, definitiv Schwein. Warum ich so auf die gebratene Tierart poche? Nunja, ab dem dritten Tag konnte selbst ich nicht mehr identifizieren welches Tier da paniert und gebraten neben dem zerkochten Reis/Nudeln/Buchweizen lag. Wir Kongressteilnehmer haben uns dann entschlossen das ganze „chork“ zu nennen. Eine Mischung aus Chicken und Pork. Ihr seht also, das Essen wurde einfach nicht besser. Vermutlicher Tiefpunkt war der Abend an dem es zermatschen Buchweizen mit zähem Lebergulasch gab und einer Teilnehmerin, die Vegetarierin war, erklärt wurde, dass Leber kein Fleisch ist. Oder vielleicht war es auch der Moment, als ich (durch die Dolmetscherin) nach Essig für meine Rote Beete fragte und mir mitgeteilt wurde, dass es in diesem Hotel keinen Essig gab? Ihr dürft gerne abstimmen.Lebergulasch

Das Mantra der russischen Kongressteilnehmer („This has got nothing to do with real Russian food.“) wurde jeden Tag heftiger vorgetragen, aber auf uns Andere hatte es so gut wie keinen Effekt. Es prallte ab. Kommunikation per e-mail mit Freunden beschränkten sich meist auf die Sätze: „Der Kongress ist super, die Leute sind toll, das Essen ist eine absolute Katastrophe.“ Wir waren alle etwas geschwächt. Ich träumte von mehrgängigen Menüs und schickte meinem Mitbewohner eine Einkaufsliste. Ich wollte kochen.

Dann gingen wir aber mal auswärts essen und verstanden das Mantra. Es gab leckeren Borschtsch und schönen, körnigen Buchweizen mit einer rahmigen Sauce mit Pilzen und Fleisch. Es gab Soljanka, Kartoffelpüree mit Dill (überhaupt scheint Dill das beliebteste russische Kraut zu sein) und gebratenen Lachs. anständiges Essen

Am letzten Abend gab es dann ein Abschiedsbankett und hier wurde dann alles aufgefahren, was die russische Küche zu bieten hat.

Verschiedene Salate, eine Käseplatte, Hering in unzähligen Variationen, Scampi, Blinis mit Keta-Kaviar, und das waren erst die Vorspeisen. Zur Hauptspeise gab es dann gegrillten Fisch und Schaschlik. Verständlicherweise waren die Tischgespräche auf ein Minimum beschränkt. Man konzentrierte sich aufs Wesentliche. Wir waren das erste Mal richtig satt.Closing Banquet

Russland ist kein kulinarisches Niemandsland. Was unter anderem dieses wundervolle Buch zeigt. Den tollen Salat „Hering im Pelzmantel“ werde ich nächste Woche auch mal nachmachen. Und wer des Russischen mächtig ist, ich habe auch ein paar schöne Kochbücher mitgebracht. Insgesamt sollte man, meiner Meinung nach, nur ein paar Sachen wissen.

  1. Kwass ist ein russischer Brottrunk und schmeckt ungefähr wie flüssiges Schwarzbrot.
  2. Dill sollte man schon mögen.
  3. „Posholsta“ heißt bitte. Und wenn man in der Metro auf jemanden gefallen ist sagt man „Iswiniedje“