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Monatsarchiv: Februar 2011

Sind wir denn noch Freunde? – Mein Abend mit Olli

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Ich habe es wieder getan, ich habe gebacken. Irgendwie wurden in meinem Umfeld schon die Stimmen „Du hast aber schon wirklich lange nichts mehr gebacken“ laut und, na ja, ich kann halt schlecht Nein sagen.

Bastelvergnügungen

Es bestand der Wunsch nach Käsekuchen, und der liebe Herr Brachat hat in seinem Cupcake Buch auch ein schönes Rezept in petto. Es gab also New York Cheesecake Cupcakes (von Seite 60)

Der Einkaufszettel war diesmal so mittellang, wobei eine gut ausgestattete Küche eigentlich fast alle Zutaten auf Vorrat hat. Ich brauchte: Zwieback, Frischkäse, Sahne, Bio-Zitronen, 1 Vanilleschote, Himbeeren und Gelierzucker 2:1. Butter, Puderzucker, Milch, Eier, Speisestärke und Salz hatte ich noch zuhause.

Gestern abend machte ich mich dann frisch ans Werk. Zuerst musste ein rundes Behältnis gefunden werden, das im Durchmesser mit dem Durchmesser der Vertiefung meines Muffinbleches korrespondiert. Gut, das ging schnell, schon der erste Versuch war ein Treffer. Es sollten nämlich Kreise aus Backpapier ausgeschnitten werden, die unten in dem Muffinblech Platz finden sollten. Ich fühlte mich dann auch etwas an die sonntäglichen Bastelvergnügungen im Hause K. erinnert. Nachdem die Bastelstunde beendet war, habe ich schon mal den Backofen auf 180°C vorgeheizt, etwas Butter in 8 der zwölf Vertiefungen gegeben und das Blech in den Ofen geschoben. Sobald die Butter geschmolzen war, habe ich die Backpapierkreise verteilt und das Blech in den Kühlschrank gestellt, damit die Butter wieder fest wird und das Backpapier schön festklebt.Brachialgewalt

In der Zwischenzeit ging es rabiat zu Gange. Es galt den Zwieback mit dem Nudelholz zu zerbröseln. Und dann… dann…. dann… wurde ich traurig. Der zerbröselte Zwieback sollte mit einem Esslöffel Puderzucker und zwei Esslöffeln Butter vermischt werden. Esslöffel? Was sind denn das für Mengenangaben? Und außerdem: soll die Butter kalt sein oder warm? Die Chemikerin in mir schrie in diesem Moment laut auf. Ja, Chemikerin. Auch wenn von meinem Chemieabitur nur die etwas seltsame Angewohnheit übrig geblieben ist, Messbecher beim Abmessen immer auf Augenhöhe zu halten und tja, mich eben über ungenaue Mengenangaben bei Backrezepten zu echauffieren, irgendwo ist sie versteckt.

Zwiebackteig

Sind der Herr Brachat und ich jetzt keine Freunde mehr? Doch schon, auch wenn mich dieses Rezept noch zwei weitere Male in helle Aufregung versetzt hat. Aber immer der Reihe nach.

Ich habe mich für warme Butter und gehäufte Esslöffel entschieden und alles mit meinem bereits hier vorgestellten Pastry Cutter zu was Teigähnlichen verarbeiten. Dieser „Teig“ wurde dann ähnlich wie bei den Apfel-Streusel-Cupcakes in die Formen verteilt und festgedrückt. Jetzt sollte der Teig für etwa zehn Minuten in den Ofen. Ja, etwa. Mein Chemikerherz verzweifelte ein zweites Mal. Ich weiß ja, dass Backöfen launisch sind und jeder da so seine Eigenarten hat (Der Schokokuchen von Alain Ducasse zum Beispiel braucht bei Alain Ducasse 90 Minuten. Mein alter Backofen schaffte den Kuchen bei gleicher Gradzahl in 45 Minuten) In meinem Ofen verweilten die Böden 9 Minuten und 12 Sekunden als mir auffiel: „Die sehen aber schon ziemlich dunkel aus.“ Also raus damit, das Thermostat auf 100°C runtergedreht und die Backofentür so lange aufgelassen, bis 100°C erreicht waren.Käsemasse

In der Zwischenzeit, habe ich Frischkäse, Milch, Sahne, 1 Ei, Zucker, Speisestärke, 1 Prise Salz, Zitronenschale und –saft in eine Rührschüssel verfrachtet. Dazu sollte komme ½ Vanilleschote. Lieber Herr Brachat, ich nehme doch an, dass Sie das Mark einer halben Vanilleschote meinen. Oder wie sollte ich die Vanilleschote sonst in die Käsemasse bekommen? Aber vier Seiten weiter, beim Rezept für die Trüffel-Cupcakes steht: „½ Vanilleschote, ausgekratztes Mark“ Warum da und nicht hier? Fragen über Fragen. Aber gut, lassen wir das an der Stelle. Ich wollte es nur mal erwähnt haben.

Alle Zutaten inklusive Vanillemark wurden verrührt und waren am Ende ziemlich flüssig. „Na, wenn das mal gut geht“, dachte ich mir und schob die befüllte Muffinform vorsichtig wieder in den Ofen. Nach 25 Minuten sollen sie dann vorläufig wieder raus und der Ofen wieder auf 170°C hochgeschaltet werden. Gesagt, getan. Irgendwann habe ich die halbwegs aufgetauten TK-Himbeeren (frische um diese Jahreszeit geht mal gar nicht) mit Zitronenschale und Gelierzucker in einen Topf geschmissen und das Beste gehofft. Dann hatte der Ofen 170°C und die Cupcakes sollten 10 Minuten fertig gebacken werden. „Sie sollten leicht Farbe angenommen haben.“ Was soll ich sagen: Pustekuchen. Nach zehn Minuten waren die Cupcakes immer noch, na ja, gelb. Auch nach 13 Minuten waren sie das. und nach 15 Minuten und auf Umluft umgeschalteten Ofen. Und nach 18 Minuten und mittlerweile 190°C. Nach zwanzig Minuten habe ich eine leichte bräunliche Färbung an einem Cupcake ausmachen können und das Blech aus dem Ofen gezogen. Cheesecake fast fertig

Die Himbeeren blubberten im Topf fröhlich vor sich hin und sollten nun püriert werden. Also, Pürierstab rein. Kurze Pause damit der Pulli direkt in der Badewanne ausgewaschen werden kann, weil Himbeerflecken so verdammt schwer raus gehen. T-Shirt angezogen, was ich sonst zum Streichen anziehen und weiter pürieren. Die noch heiße Sauce habe ich dann mühevoll durch ein kleines Haarsieb gestrichen. Warum mühevoll? Die Öse hat sich mal verabschiedet und jetzt besitzt dieses Sieb die unpassende Angewohnheit im denkbar dämlichsten Moment (ich kratze grad den Topf aus) in die Schüssel zu plumpsen. Ich habe dann die Sauce in Gläser abgefüllt und die Küche geputzt. Und die Nacht über die Küche hereinbrechen lassen.

Heute morgen dann war es soweit. Die Cupcakes waren ausgekühlt und ließen sich mit dem vorgeschlagenen kleinen Küchenmesser auch ganz hervorragend aus der Form lösen. Und das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen. Ja, der Herr Brachat und ich sind noch Freunde.

Cheesecake fertig

 

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